Sei weniger hilfreich!

Dieses Post bezieht sich auf Dan Meyer’s TedTalk “Math class needs a makeover”. Wer diese Rede nicht kennt: Dringend anschauen!

Dan Meyers Rede schaue ich gerne, um für mich wieder klar zu machen, welche Art von Matheunterricht ich eigentlich halten möchte und welche Diskrepanz dabei zur Realität manchmal besteht (aufgrund äußerer Zwänge aber auch aufgrund von Gewohnheiten)

Im Youtube-Video werden bei 9:50 fünf Schritte aufgezählt:

  1. Use multimedia
  2. Encourage student intuition
  3. Ask the shortest question you can
  4. Let students build the problem
  5. Be less helpfull

Schritt 5 “Sei weniger hilfreich” fällt mir am schwersten. Klar ist, dass gestufte Hilfestellungen zum Handwerkszeug eines ordentlichen Matheunterrichts gehören. Ob diese in Form von Hilfekärtchen (je nach Motivation auch gerne bunt und laminiert) oder im Gespräch mit dem Schüler angeboten werden, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist lediglich, dass die Hilfestellung dem individuellen Können des Schülers so angemessen ist, dass er es schafft, den nächsten Schritt möglichst alleine zu gehen. (Idee dahinter: Lew Wygotskis Zone of proximal development)

Ob ein Lehrer Motivationshilfen liefert, strategische Hilfe anbietet oder sogar inhaltliche Hilfe gibt, hängt dabei nach meiner Beobachtung weniger vom individuellen Lernstand des Schülers als vom mentalen Modell des Lehrers ab.

In der Theorie ist das alles klar, von Scaffolding und Co. haben wir schon irgendwo gehört und sind wohl auch alle davon überzeugt, dass Unterrichten im Prinzip genau so funktionieren sollte.

Welche Probleme gibt es hier dann noch?

  • Kleinschrittige Hilfen machen Schüler bequem
  • Zu wenig Unterstützung sorgt für Frustration und Misserfolgserlebnissen
  • Curricularer Zeitdruck gibt Lehrern zu wenig Zeit, “langsames” Üben zuzulassen
  • Hilflose Schülerblicke haben uns alle schonmal erweichen lassen, oder?
  • zu wenig Mut “Struggle” (mir fehlt hier passendes deutsches Wort) zuzulassen.

Schritt 5 stellt also die größte Herausforderung da. Zeitdruck und Ungeduld sind dabei der Hauptfeind. Da ich die äußeren Bedingungen (Bildungsplan, Abschlussprüfung im Nacken) nicht ändern kann, ist der Ansatzpunkt also meine eigene Einstellung zum Zeitdruck.

Was dabei hilft:

  • Inhalte ausmisten, Mut zur Lücke und Mut zur Gründlichkeit
  • Durch Flipped Classroom Zeit im Unterricht schaffen, in der sinnvolles und reflektiertes Üben stattfinden kann
  • Durch formative Leistungsmessung wissen, wo die tatsächlichen Probleme der einzelnen Schüler sind (nicht jede Frage, die mir im Unterricht richtig beantwortet wird, ist damit allen Schülern klar)

Tja, und dann heißt es für den lernenden Lehrer: Üben! Reflektieren! Üben!

 

 

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